PT #11: – Einen Schritt vor, zwei Schritte zurück –

 

[ Tipps & Tricks ]

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Versteht mich bitte nicht falsch — ich bin überzeugt davon, dass wir in den allermeisten Fällen erst einmal einen Schritt zurück machen müssen, bevor wir es überhaupt in Erwägung ziehen, einen Schritt nach vorne zu gehen. Was ich dann aber nach diesem vermeintlichen Schritt nach vorne beobachten kann, ist immer dasselbe Phänomen. Nämlich zwei Schritte zurück.

I’ve never seen any life transformation that didn’t begin with the person in question finally getting tired of their own bullshit.
— Elizabeth Gilbert

Alles beginnt mit dem Boden der Tatsachen. Ich übertreibe nicht, wenn ich euch sage, dass ich noch keiner Coaching-Kundin begegnet bin, die nicht auf die eine oder andere Art und Weise ihren persönlichen Tiefpunkt erreicht hat. Was im Grunde selbsterklärend für mich ist, weil das Bedürfnis nach und die Notwendigkeit von Veränderung nie wirklich größer als in solchen Momenten ist. Was natürlich unheimliches Momentum generiert.


So weit, so gut. Die jeweiligen Personen fangen an, sich durch ihren eigenen Bullshit durchzuwurschteln und das solange, bis sie an einer Abzweigung mit verschiedenen Richtungsmöglichkeiten ankommen. Welche gewählt wird, hängt im Großen und Ganzen davon ab, wie einflussreich ihre Angst vor Veränderung ist. Dieses mulmige Gefühl, mag die Veränderung auch noch so positiv und ersehnt sein, aktiviert dann eine Art Selbstsabotage-Schalter. Was so viel heißt wie, es wird dem Alltag erlaubt, Überhand zu nehmen, Zeit wird zur Mangelware und Wichtigeres gibt es immer zu tun. Jetzt könnt ihr euch bestimmt vorstellen, dass Selbstsabotage nicht das Einzige ist, was euch davon abhält, am Ziel anzukommen. Da gibt es zum Beipiel noch das Vergangenheits-Gummiband. Im Grunde stehen wir nämlich in jedem Moment inmitten zweier Gummibänder, wobei uns das eine nach hinten zieht und die Summe unserer Vergangenheit ist. Das andere Gummiband, das uns nach vorne zieht, besteht aus unseren Visionen und Zukunftsvorstellungen. Da wir in den meisten Fällen erst sehen und erleben müssen, bevor wir glauben und Emotionen empfinden können, ist das Vergangenheits-Band immer das Stärkere. Da sich deine Power aus unseren unzähligen Erinnerungen und vielen Emotionen zusammensetzt. Grundsätzlich ist es also schon mal um einiges leichter, das Alte zu wiederholen und derselbe Mensch zu bleiben. Jede Menge Mühen, viel Arbeit und Anstrengung sowie wirklicher Fokus sind nötig für wirkliche Veränderung und neue Erfahrungen. Und da ist es natürlich nicht unbedingt förderlich, dass euch nicht nur Selbstsabotage und der Vergangenheitssog einen Strich durch die Rechnung machen, sondern auch vieles, vieles Weitere eure Entschlossenheit abschwächen kann. Wie der ernüchternde und Zweifel verbreitende Gedanke, dass sich immer noch nichts getan hat. Oder aber das Gegenteil ist passiert und es hat sich tatsächlich etwas getan, so dass ihr euch besser fühlt. Was nicht nur eure Not und euren Drang nach Veränderung, sondern genauso auch das Tiefpunkts-Momentum, von dem ich anfangs gesprochen habe, deutlich minimiert. Oder aber ihr wart euch von vorneherein schon nicht so ganz sicher, ob des denn überhaupt in Ordnung ist, euch Neues zu wünschen, mehr zu wollen. Sei es ein liebevoller Partner, mehr Erfolg oder aber verbotener Weise sogar mehr Geld.


Ich verstehe wirklich nur allzu gut, dass es um so vieles leichter ist, immer wieder in die Vergangenheit zurück zu rutschen sowie das Ergebnis der vergangenen Erfahrungen zu bleiben, als aktiv an der Gestaltung der neuen Zukunft teilzunehmen. Ich glaube, um sich bei Letzterem nicht drausbringen zu lassen und auch wirklich fokussiert bleiben zu können, ist eine echte Entscheidung nötig. Da uns dieses ein-Schritt-vor-ein-Schritt-zurück wenn überhaupt auf der Stelle treten lässt. Und sobald wir eine Entscheidung getroffen haben, ist es wichtig, dass wir uns nach Lösungen umschauen, die uns helfen, an dieser auch festzuhalten.


Ihr könnt euch wahrscheinlich gut vorstellen, wie euch alles andere nicht von der Stelle kommen und euch dafür schlecht fühlen und wieder in die Opferrolle zurückkehren lässt. Was im Endeffekt nur dazu führt, dass ihr eure kurz zurückgewonnene Kraft wieder aus den Händen gebt und ihr euch wieder im Kreis dreht.


An dieser Stelle würde ich gerne ein paar Dinge von euch wissen. Als allererstes interessiert es mich, ob ihr wirklich alles in eurer Macht stehende tut, für den Fall, dass ihr euch eben gerade im Kreis dreht. Damit meine ich übrigens nicht, pausenlos eure Grenzen zu üerschreiten oder erschöpfender Weise entgegen euren Wertvorstellungen zu handeln. Damit meine ich, dass ihr weiterhin einen Schritt hinter den anderen setzt, wenn es ungemütlich wird, sich die Angst meldet und Unsicherheit das Einzige ist, was ihr spürt.

The more important an action is to our soul’s evolution, the more resistance we will feel towards pursuing it.
— Steven Pressfield

 

Und obwohl die Antwort auf meine Frage ziemlich sicher ein generelles Nein ist, schaffen wir es trotzdem oft auf Biegen und Brechen so weit. Doch kurz vor dem eigentlichen Wendepunkt, kurz bevor wirklich alles anders wird, geben wir auf und drehen um und kehren mir nichts dir nichts in unsere alte Misere zurück.


Wir starten enthusiastisch wie nie, meditieren wie wild, visualisieren und schreiben unsere Geschichten fleißig neu, und dann macht sich die Angst breit, unsere Vergangenheit wird laut, Ernüchterung schleicht sich ein, wir verlieren den Fokus und bleiben stehen. Und genau an diesem Punkt ist es essentiell wichtig, die eigene Entscheidung und Motivation zu hinterfragen, sich neu auszurichten, den Fokus wieder zu finden und sich Gedanken zu machen. Was ist es wirklich, was ihr wollt. Wollt ihr es wirklich und seid ihr auch dazu bereit, alles Nötige für eure Entscheidung zu tun?


Und wenn das der Fall ist, gilt es einen Weg zu finden, um sich auch wirklich daran zu halten. Liebevolle Disziplin, nenne ich es an dieser Stelle. Sollte das nämlich nicht der Fall sein, ist es auch kein Wunder, dass ihr immer wieder am selben Punkt landet. Am besten schafft ihr euch also etwas, ein Visionsboard oder einen Wecker, eine Affirmation in eurem Zuhause oder einen Hintergrund auf eurem Laptop, das euch an euren anfänglichen Enthusiasmus erinnert. Ganz egal was es ist, hauptsache es resoniert richtig mit euch. Sonst, wenn ihr mit Halbgas unterwegs seid, immer wieder einen Schritt nach vorne und zurück geht und wünscht und wollt, aber dann doch wieder nicht so richtig bereit seid, die nötige Arbeit hineinzustecken, im Außen wie auch innerlich, das bringt euch überall hin, aber nicht ans Ziel. Und damit genau das nicht der Fall ist, ist es wichtig, sensibel dafür zu werden, was eure Art und Weise der Sabotage ist, eure Trigger und was es ist, das euch aus dem Gleichgewicht bringt. Vor allem, wenn Ernüchterung das Ruder übernimmt und ihr mehr Zeit damit verbringt, zu zweifeln als euch auf eure Vorfreude und erwünschte Zukunft zu konzentrieren.


Und hier kommt die oben erwähnte Disziplin ins Spiel. Nicht nur zu wissen, sondern auch dementsprechend zu handeln. Hört sich leichter an als es ist, ich weiß. Noch dazu kommt, dass ihr im besten Fall wisst, welche Dinge euch täglich auffüllen und euch in eure Mitte zurückbringen. Je stabiler und aufgefüllter ihr nämlich seid, desto schwerer ist es, euch abzulenken und aus der Balance zu bringen. Und macht euch dazu nicht nur Gedanken über den Moment, sondern berücksichtigt auch euer Morgen. Denn alles, was ihr heute tut, ist eure Grundlage von Morgen. Lasst euch dabei vom Ungemütlichen nicht in die Irre führen. Es gibt nämlich neben angenehmen und unangenehmen Dingen auch diejenigen, die sich gut anfühlen und wenig förderlich sind. Sowie die, die sich weniger gut anfühlen, aber umso förderlicher sind. Siehe das Zitat von Steven Pressfield.


Also beobachtet euch, lernt euch kennen, werdet sensibel, findet Lösungen und lasst euch nicht aufhalten.